
Westhavelländer vom 30.07.2011
WIRTSCHAFT:
Perspektive für Lupenbrillen
Firma Obrira hat Insolvenz überstanden / Gläubiger erhalten Geld zurück
RATHENOW - Ende gut, alles gut. Insolvenzverwalterin Susanne Berner von der gleichnamigen Kanzlei in Berlin hatte nur positive Nachrichten im Gepäck, als sie am Mittwoch die Gläubigerversammlung der Obrira GmbH Rathenow verließ. Die Firma ist verkauft – an den Meistbietenden und noch dazu an einen Rathenower. André Schwolow heißt der neue Eigentümer und derzeit einzige Mitarbeiter der Firma. Er setzt damit die Familientradition fort, denn sein Vater Günter Schwolow übernahm die Fertigung aus den Rathenower Optischen Werken und bediente den kleinen, aber profitablen Markt seit 1992.
„Das Insolvenzverfahren war Anfang des Jahres auf Antrag eines Geschäftsführers eröffnet worden“, sagt Insolvenzverwalterin Susanne Berner. Die promovierte Juristin aus Berlin hatte keine Zweifel daran, den Betrieb in Rathenow weiterführen zu können. „Es ist ein sehr spezieller kleiner Markt. Es gibt in Deutschland nur vier Anbieter“, sagt Susanne Berner. „Da lag es auf der Hand, dass die Obrira GmbH am Traditionsstandort Rathenow unbedingt fortgeführt werden muss.“ Zumal die Firma die einzige sei, die ihre komplette Produktpalette in Deutschland fertige.
Um für die Gläubiger den bestmöglichen Kaufpreis zu erzielen, entschied sich die Insolvenzverwalterin für ein Bieterverfahren. „Das Interesse war erstaunlich groß“, berichtet Susanne Berner. Interessenten sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland hätten sich um den Spezialhersteller bemüht, vor allem wohl, weil der Name Obrira in der Branche einen guten Ruf genießt.
Im
Bieterverfahren setzte sich mit
André Schwolow nicht nur der
Meistbietende durch, sondern auch
jemand, der dem Unternehmen aufs
Innigste verbunden ist. Als Resultat
können „die Gläubiger aller
Voraussicht nach zu einhundert
Prozent befriedigt werden“, freut
sich Susanne Berner. Das sei ein
äußerst seltenes Ergebnis bei einem
Insolvenzverfahren. „Üblich sind
Quoten von einem bis fünf Prozent
der Forderungen“. Mit diesem
Resultat ist Susanne Berner mehr als
zufrieden.

Günter Schwolow, Dr Susanne Berner,
André Schwolow
Foto: Rietschel
Gleiches gilt für André Schwolow, den frischgebackenen Firmenbesitzer. „Ich möchte mich bei Frau Dr. Berner bedanken, die es ermöglichte, die in Insolvenz gegangene Firma Obrira effektiv weiterzuführen, allen Gläubigern und Mitarbeitern gerecht zu werden und damit ein traditionsreiches Unternehmen saniert hat“, teilte der Firmenchef gestern mit.
Mit dem Neubeginn werde als wichtigster Schritt die in der alten Firma vorhandenen Position des buchführenden Gesellschafters entfallen, um „damit effektiver auf die jeweilige finanzielle Situation der Firma Einfluss nehmen zu können“. Der Fokus liege – neben dem Kerngeschäft der vergrößernden Sehhilfen (Fernrohrlupenbrillen) darauf, die Produktpalette um Lupenbrillen für medizinisch-technische Anwendungen zu erweitern.
Die Firma
Obrira ist bereits dabei, vom
jetzigen Standort in der
Paracelsusstraße 7 auf das Gelände
der ehemaligen Duncker-Werke in der
Jahnstraße 27 umzuziehen. „Dort sind
wir unseren Lieferanten näher“,
sagte André Schwolow.
In etwa drei
Wochen will die neue Obrira mit
sieben Mitarbeitern am neuen
Standort produzieren.
(Von Andreas König)

